04.08.2016 - Arbeitgeber im Handwerk sehen existenzielle Gefahr durch blaue Plakette


Arbeits- und Ausbildungsplätze bedroht

Mit großer Sorge betrachten die Arbeitgeberverbände des Hessischen Handwerks (AHH) die im Raum stehende Einführung einer sogenannten Blauen Plakette. Damit soll mittelfristig neben gering emittierenden Benzin-, Elektro- und Hybridfahrzeugen nur noch Dieselfahrzeugen mit geringen Emissionen die Einfahrt in belastete Städte erlaubt werden.

„Das hätte enorme Auswirkungen für unsere Betriebe. Eine blaue Plakette würde laut ADAC rund 13 Millionen Dieselfahrzeuge aus den Innenstädten aussperren – etwa 90 Prozent des Bestands. Viele Politiker scheinen nicht zu wissen, dass dem Handwerk nach wie vor keine praxistauglichen Fahrzeuge mit alternativen Antrieben als Benzin oder Diesel zur Verfügung stehen, die die Kriterien eines Handwerkerfahrzeugs in der Gewichtsklasse zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen erfüllen“, kritisierte der Präsident der AHH, Malermeister Jochen Honikel.

Dieselfahrzeuge spielen für Handwerker eine zentrale Rolle im betrieblichen Alltag. Entweder fahren sie selbst damit oder ihre Kunden beziehungsweise Lieferanten sind zwingend darauf angewiesen. Beispielsweise im Bau- und Ausbauhandwerk erfüllen aber lediglich 3 % der LKW die Euro-6-Norm als Voraussetzung für eine blaue Plakette.

„Ein schneller Umtausch dieser Fahrzeugflotte ist zum jetzigen Zeitpunkt mehr als unrealistisch, zumal entsprechende Filter oder Luftreinigungsanlagen nicht im erforderlichen Umfang zur Verfügung stehen. Handwerksleistungen würden wieder einmal durch kostentreibende, staatliche Auflagen verteuert“, betont auch Rainer von Borstel, Geschäftsführer der Arbeitgeberverbände.

Gerade für mittlere Unternehmen mit fünf bis neun tätigen Personen werde die schnelle Umstellung zum Problem, denn in dieser Größenklasse sei die Fuhrparkmodernisierung für den Großteil nicht finanzierbar. Könnten aber Aufträge in Städten nicht mehr wahrgenommen werden, drohten erhebliche Umsatzeinbußen. Auch dürfte sich ein Handwerkermangel in den Städten bemerkbar machen.

„Wir appellieren als Handwerker, Unternehmer und Arbeitgeber an die Umwelt- und Verkehrsministerkonferenz, die Einführung der blauen Plakette zu stoppen. Bei der Schaffung von alternativen emissionssparenden Lösungen sind Übergangsregelungen für kleine Betriebe erforderlich. Innerstädtisches Arbeiten muss auch weiterhin möglich sein“, forderte Jochen Honikel abschließend.





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